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Theater am Rand

Ein Jules Verne Turm im Oderbruch ...

Das vom Akkordion Virtuosen Tobias Morgenstern und Schauspieler Thomas Rühmann selbst entworfene und bespielte Theaterhaus ist ein kultureller Leuchtturm in den Weiten des Oderbruchs. Es zieht seit 20 Jahren Besucher aus ganz Deutschland an den Rand und in seinen Bann. Das spektakuläre Gebäude lässt sich während der Inszenierung rundherum öffnen. Dahinter erscheint das satte Grün des Oderbruchs und lässt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Inszenierung verschwimmen. An diesem Ort will das Festival LiederLauschen am Rand eine musikalische Brücke zwischen den Menschen rechts und links der Oder bauen.

Geschichte des Theaters

Holzbänke für 32 Zuschauer. Aufsteigend.
Eine winzige Bühne. Fünf Scheinwerfer.
Januar 1998.

Accordion Mystery“ nach Annie Proulx ohne Aufführungsrechte. „Wir spielen das hier bei mir im Wohnzimmer“, sagte Morgenstern. „Hier merkts keiner“, antwortete Rühmann. So begann es.

Zuerst kamen Freunde und Bekannte. Fünf, Dreizehn, Zweiunddreißig. Es sprach sich herum. Im Oderbruch. Es wurde übervoll.

Also Umbau. Das Theater kam längs ins Haus. 55 Plätze. Aufsteigend. Im Sommer gefühlte 50 Grad Celsius. „Wir haben noch eine Wand, die raus kann“, sagte Morgenstern. „Ich reiche dir zu“, entgegnete Rühmann.

Wieder Umbau. Platz für 70. Aber es wollten 90 rein. Dann 100. Was tun? „Auf die Wiese“, sagte Morgenstern. „Unter blauem Himmel“, ergänzte Rühmann.

Ab Sommer 2000 wanderten einfache Holzbühnen übers Gelände. An verschiedenen Plätzen, mit verschiedenen Blicken, auch in den Sonnenuntergang. Dann der Mond, die Sterne, der Abendwind, die Nähe zum Fluss.

Die Spieler verwandelten sich, die Stücke, die Zuschauer. 400 saßen und lauschten.

Jetzt ist es soweit“, sagte Morgenstern fünf Jahre später. „Was meinst du?“, fragte Rühmann. Morgenstern fing an zu basteln, entwarf das neue „Theater am Rand“ mit zugehörigem Künstlerhaus. Organische Architektur. Einmalig gefördert von LeaderPlus, einem EU-Fond fürs Ländliche.

Gespielt wurde in jeder Bauphase. Auf Beton, mit Planen, provisorischen Bühnen. Das Theater wuchs. Die Zuschauergemeinde mit. Das Repertoire auch. Aus Zweier-Abenden wurde Drei-, Vier-, Fünf-Personeninszenierungen.

Wir müssen höher“, sagte Morgenstern. „Ein Bühnenhaus?“, fragte Rühmann. „Mit Turm“, antwortete Morgenstern. „Also doch Kirche“, grinste Rühmann. „Mit Wärmegewinnung“, belehrte Morgenstern.

Günther Ludewig kam. Der Ökoarchitekt. Es wurde wieder gebastelt, berechnet, entworfen. Ein Jules-Verne-Turm. Silbrig glänzend mit Drachenkamm. Drinnen schwarze Stahlträger – ein Spinnennetz. Platz für Umgänge, Scheinwerfer, Technik, Ton, Bewegungskunst.

2014 Einweihung. Die junge Artistin mit Schlangendrehungen im roten Schal in der Kuppel. Atemberaubend hoch. „Guck mal“, sagte Morgenstern eines Tages. „Was meinst du?“, fragte Rühmann. Morgenstern schnipse mit den Fingern. Leises Rauschen. Die Rückfront des Theaters öffnete sich, stufenlos, an einem beliebigen Punkt der Inszenierung. Das satte Grün des Oderbruchs im Blick. Hinten rechts die untergehende Sonne.

Wir müssen was essen“, sagte Morgenstern. „Jetzt gleich?“, fragte Rühmann. „In einem Jahr“, antwortete Morgenstern und ging Basteln. Und Bauen. 2016 – Die „Randwirtschaft“ öffnete. Eine Bar, ein Restaurant, eine Klause. Für die Zuschauer und Akteure. Essen, Trinken, Sitzen, Fabuliern. Vorher, in der Pause, nachher.

Erzählen widersteht der Eile. Im Sommer auf den Außentraversen mit Blick auf die Weiden am Horizont.

Das reicht nicht“, sagte Morgenstern. „Was denn noch?“, fragte Rühmann. „Wir pachten ein großes Stück Wiese nach hinten raus.“ erläuterte Morgenstern. „Und dann?“, erkundigte sich Rühmann. „Zirkuszelt, Pavillon, Arena, Leichtflugzeuglandeplatz, Kutschenwiese…“, grinste Morgenstern. „Ich kenne dich.“ sagte Rühmann. „Das meinst du im Ernst.“

Sabine

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